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In diesen Geschichten ist Verlangen nie blo korperlich. Es beginnt im Kopf, in einem Blick, einem falsch verstandenen Satz, einem Moment, in dem Nahe zu Macht wird. Mia Graf schreibt mit einer Stimme, die Warme und Scharfe zugleich besitzt - weiblich, reflektiert, kompromisslos sinnlich. Ihre Figuren lieben, zweifeln, tauschen, geben sich hin - und verlieren sich in der Frage, ob Begehren jemals frei sein kann. Die Titelgeschichte Die Auktion erzahlt von Lisa, einer Nachrichtensprecherin, die fur einen Abend an den Hochstbietenden versteigert wird ein jahrliches Ritual, das sie zugleich verachtet und braucht. Zwischen Lampenlicht und kaltem Applaus spurt sie, wie sich Macht und Lust zu einer neuen Form von Intimitat verschranken. Doch als das hochste Gebot aus dem Off kommt, von einer unbekannten Stimme am Telefon, beginnt eine Nacht, die alles verandert: eine Begegnung zwischen Kontrolle und Hingabe, zwischen Angst und einem Begehren, das sich nicht mehr zugeln lasst. Sie stand hinter der Buhne, das Licht blendete sie, und das Lacheln, das sie trug, fuhlte sich an wie eine Maske aus Glas. Die Luft schmeckte nach Parfum und Geld, nach Erwartung. Als ihr Name fiel, ging sie los, jeder Schritt eine kleine Entscheidung. Applaus. Stimmen. Und irgendwo da drau en, unsichtbar, jemand, der sie bereits gekauft hatte. Fur einen Abend. Fur einen Preis, der sich nicht in Zahlen messen lie . Ihr Herz schlug in der Kehle, als sie den Blick hob und spurte, dass sie in diesem Moment, trotz allem, selbst diejenige war, die bot. Denn manchmal, wenn alles verloren scheint, beginnt das eigentliche Spiel erst dann wenn man endlich wagt, sich selbst zu versteigern.