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Das Phanomen der Transformation und Tradition von uberlieferten Wissensbestanden zeigt sich in kaum einer Epoche der europaischen Geschichte derart markant wie in der Scharnierphase zwischen Antike und Mittelalter. Uber einen Zeitraum groer Instabilitat hinweg wurde ein der Differenziertheit spatromischer Gesellschaft entsprechendes hochkomplexes Wissen transformiert, reduziert und reorganisiert. Dazu kamen im Bereich der Literatur, aber auch in fachwissenschaftlichen Texten und in den Rechtscorpora unterschiedliche Techniken und Strategien quantitativer Verdichtung und Verkurzung zum Einsatz. Aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen beleuchten die Beitrage des Bandes diese vielfaltigen Reduktionsprozesse in Gallien, Spanien und Italien vom 4. bis zum 8. Jh. und gehen dabei insbesondere der Frage nach, inwiefern durch Exzerpieren, Kompilieren und selektives Tradieren eine Komplexitatsreduktion beziehungsweise eine Komplexitatsverlagerung stattfand. Dabei werden neue Zugange zur Bewertung des spatantiken und fruhmittelalterlichen Umgangs mit antikem Wissen gewiesen sowie innovative und kreative Praktiken offengelegt, mit denen in der untersuchten Periode vergangene Wissensbestande fruchtbar gemacht wurden.