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Der romische Dichterphilosoph Lukrez feiert in seinem Epos De rerum natura ( Uber die Natur der Dinge ) die Wolken. Als bedrohliche Naturgewalt wird in ihnen die Kraft und Chaotik der unsichtbaren Atome, aus denen die Welt besteht, hor- und sichtbar. Die lukrezische Zergliederung der Wolken - insbesondere die Beschreibung der Gewitter - will diese Gewalt rational und rhetorisch bandigen. Doch zugleich sind Wolken fur den Dichter ein metaphorisches Modell zur Erklarung irrationaler Trugbilder, erotischer wie theologischer Phantasmen, die spontan in der Atmosphare entstehen und uns - wortwortlich - aus heiterem Himmel uberfallen. Jakob Moser geht diesem irritierenden Zusammenhang von antiker Meteorologie und Phantasmalogie nach, der unsere modernen Dichotomien von Natur und Kultur, Physik und Psychologie, Wissenschaft und Dichtung infrage stellt. Lukrez' Wolken erscheinen nicht nur als Gegenstand, sondern auch als Quelle einer schopferischen wie verstorenden Einbildungskraft der Natur.
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