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Europa zwischen dem Wiener Kongress und dem Sommer 1914 ist kein Zeitalter des Fortschritts. Es ist ein Zeitalter der Spannung - einer Spannung, die sich uber ein Jahrhundert aufbaut, durch Fabriken und Klassenkampfe, durch Eisenbahnnetze und Kolonialvertrage, bis sie sich in einem Krieg entladt, den die Beteiligten gleichzeitig geplant und nicht begriffen hatten. Der Aufstieg der industriellen Lohnarbeiterschaft war kein linearer Emanzipationsprozess. Er war ein sozialer Bruch. Die alten Ordnungen des Grundbesitzes und der Standesgesellschaft erodierten nicht, weil sie moralisch uberholt waren. Sie erodierten, weil die Fabrik eine neue Anthropologie des Gehorsams und der Erschopfung schuf, die weder der Adel noch die Kirche einzuhegen vermochten. Die Industrialisierung veranderte nicht nur Produktionsverhaltnisse - sie veranderte die europaische Geographie des Bewusstseins. Die Eisenbahn verband, was getrennt war; der Telegraf beschleunigte, was fruher Zeit gehabt hatte, sich zu klaren. Stadte wuchsen nicht, weil irgendjemand es so entschieden hatte, sondern weil Millionen von Menschen keine andere Wahl mehr hatten. Die Massenurbanisierung war weniger Zeichen einer aufsteigenden Zivilisation als Symptom eines Systems, das seine eigene Geschwindigkeit nicht mehr steuern konnte. Am Ende dieses Jahrhunderts stand ein Kontinent, der militarisch hochgerustet, ideologisch zerstritten und diplomatisch uberforderter war, als seine Kabinette zugaben.
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